Essay: “Ich”, die erste Schwingung, das “Tor” zum Selbst

Von Dr. Awatramani in Ehrerbietung und Anerkennung und mit tiefem Respekt für Sri Ramana Maharshi von Arunachala, Tiruvannamalai, South India.

Stelle dir eine beschauliche, ruhige Wassermasse (einen unendlichen See oder Ozean) vor. Jetzt stelle dir eine winzige Welle oder ein leises Kräuseln auf dessen ruhiger Oberfläche vor.

Die Welle könnte als “die erste Schwingung” bezeichnet werden.
Beachte, dass die Welle “beim” Ozean ist
und dass die Welle der Ozean “ist”.

Ersetze das Wort Wasser durch Bewusstsein.
Die erste Welle oder Schwingung ist der “Ich”-Begriff
(Begriff ist Gedanke, Idee oder Wort)

Und so: “Im Anfang” war das Wort (der Logos),
und das Wort war “bei” Gott,
und das Wort “war” Gott. (Bibel)

Jetzt, da dieses “Ich” das SELBST ist und daher schöpferische Kräfte (Shakti) hat – indem es projiziert oder Bewegung nach aussen ausführt wie leichtes Kräuseln von Wellen auf Wasser – erschafft es andere Schwingungen oder “Aufladungen” im Bewusstsein. Diese sind die “Substanz”, wovon subatomare Teilchen gemacht sind, welche wiederum die Vorläufer der Elektronen sind. Elektronen in verschiedenen Zusammensetzungen bilden eine Vielfalt von Atomen, welche sich verbinden, um Moleküle der Elemente zu bilden (von den letzteren gibt es nur etwa 120). Diese wiederum bilden in verschiedenen Umsetzungen und Kombinationen die gesamte Materie, aus welcher die Welt gemacht ist. Darin eingeschlossen sind alle mineralischen, pflanzlichen, tierischen und menschlichen Formen.

So ist die Welt im Wesentlichen eine Projektion des “Ichs”, welches, wie wir gesehen haben, die schöpferische Kraft (Shakti) ist, die “erste” Manifestation des SELBSTES, und welches “beim” SELBST ist und das SELBST “ist”.

Im Gegensatz zu dem, was von Physikern, Kosmologen, Geologen und Astronomen geglaubt und gelehrt wird, wurde die Welt nicht vor Milliarden von Jahren erschaffen. Auch ist sie nicht in einem Zustand der Aufrechterhaltung (Stabilität) und wird auch nicht am Ende von weiteren Milliarden von Jahren zu Ende gehen. Vielmehr finden Schöpfung, Aufrechterhaltung und Auflösung gleichzeitig und ständig statt.

Aber das ist nicht bekannt, weil unsere gesamte Erfahrung der Welt auf Sinneswahrnehmung (eine Wahrnehmung der fünf Sinnesorgane) beruht. Auf diese Weise erscheint die Welt solide, wirklich und beständig. Sie wird wahrgenommen als Form und als Ereignisse und vermittelt die Illusion, dass sie räumliche Dimensionen aufweist und die Illusion, dass sie in der Zeit (vor Milliarden von Jahren) erschaffen wurde.

Nun, Sinn und Zweck dieser Diskussion ist nicht, eine Theorie zu formulieren oder eine Hypothese aufzustellen sondern zur Wahrheit zu gelangen durch eigentliche “Erfahrung” aus erster Hand von der Welt, so wie sie “wirklich ist” und nicht so, wie sie zu sein scheint, ja sogar die Schöpfung und Auflösung der Welt tatsächlich zu erfahren (wenn das überhaupt möglich ist).

Wir kommen zum Beginn der Diskussion zurück. Zuerst war das “Ich” (das Wort … Bibel). Und das “Ich”, das “Shakti” ist, projiziert schöpferische Schwingungen kreativer Energie nach aussen, welche als Elektronen und Atome Verbindungen eingehen, um Materie zu bilden … die Welt.

Dieses “Ich” war nicht vor Milliarden von Jahren da, um die Welt zu erschaffen. Aber es ist das eigentliche “Ich”, das du kennst und welches, wenn du dich mit Körper und Mind* identifizierst, dir die Erfahrung dieses getrennten menschlichen Wesens gibt.

Diese Identifizierung ist so stark, dass Körper und Mind und durch sie die Welt erfahren wird, aber das “Ich” selbst wird vergessen oder tritt in den Hintergrund.

Die WAHRHEIT kann enthüllt und Schöpfung “erfahren” werden, wenn Aufmerksamkeit oder Gewahrsein zu diesem “Ich” hingewendet wird (da es der Schöpfungspunkt ist), nicht durch Denken oder Visualisieren sondern durch subtiles inneres Gewahrsein, welches die direkteste Meditation oder Erforschung in das SELBST ist.

Diese Erforschung ist eine Untersuchung, welche viel bedeutungsvoller ist als jene, welche in teuren Laboratorien durchgeführt wird, doch braucht es dazu kein Laboratorium, denn du bist das Laboratorium und der Erforscher.

Ich betone nochmals, dass das “Ich”, das dich veranlasst, dich so sicher zu fühlen, dass du dieser Körper bist (welcher Grösse, Form, Farbe und Beweglichkeit hat) und dieser Mind bist (welcher Gefühle, Wahrnehmungen, Ideen, Erfahrungen, Erinnerungen hat), dass dieses “Ich” auch das “Ich” ist, welches, wie oben beschrieben, die Welt erschafft.

So befindet sich die “WAHRHEIT” oder das Geheimnis der Welt latent in dir drinnen. Sie ist innerhalb deiner Reichweite, und es ist dir überlassen, sie zu erforschen (durch Meditation) oder andernfalls weiterzufahren mit ihren Projektionen (Körper, Mind und Welt) und zu leiden, wie wir das Tausende von Jahren getan haben.

Du bist für diese Entscheidung verantwortlich, und die Wahl ist … weiterzufahren, sich mit den Projektionen zu identifizieren und Getrenntsein, Konflikt, Begrenzung, Selbstzerstörung, oberflächliche Schönheit, vergängliches Vergnügen usw. zu erfahren oder die WAHRHEIT der Welt zu ergründen und die Welt zu sehen “wie sie ist” und dann naturgemäss zu leben in Einheit, Spontaneität, Harmonie, Schönheit, Liebe, Freiheit und ewigem Leben, während wir noch in diesem Körper sind.

Die Erforschung ist leicht, befreiend und kräftigend und kann von jedermann ausgeführt werden. Aber sie erfordert Verpflichtung, Wachsamkeit, Ausgerichtetsein, Geduld und Ausdauer und die Führung und Anwesenheit eines lebenden Lehrers.

Wie gross auch immer die Begrenztheit ist, welche ein Mensch fühlt, er hat die Verantwortung, die Herrlichkeit der Schöpfung zu erfahren, weil die Tatsache ist, dass die Schöpfung und der Schöpfer eins sind, das “Ich” “ist” das SELBST, die Welle “ist” der Ozean.

Aber es ist notwendig, in das hineinzuforschen oder zu meditieren, vielleicht mit der Frage “Wer bin ich?”, indem du dein Gewahrsein zum “Ich” bringst und es die ganze Zeit dort hältst bis zum letztlichen Höhepunkt des Verschmelzens mit dem SELBST. In dem Moment kommen die Herrlichkeit des Schöpfers und der Prozess der Schöpfung ins Sein.